Satire

Modellbahnhersteller Merlin



Drei Lokomotiven der Baureihen 103, 194 und 120

Christian Anders veröffentlichte im Jahre 1972 den Song: “Es fährt ein Zug nach nirgendwo”.
Heute müsste es allerdings eher heißen: “Nirgendwo fahren Züge irgendwo hin”.
Um die Modellbaubranche steht es seit Jahren nicht gut, denn seit Jahren sterben ihnen die Kunden weg oder werden erwachsen und die Jugend bleibt dann auch noch lieber an der Spielekonsole sitzen! Ist ja auch bei Weitem nicht so anstrengend, wie löten und bauen und so...

Doch der Fall Merlin ist ein Paradebeispiel für kreative Arbeit selbst in solchen Krisenzeiten. Für Merlins abhandengekommenen Kunden hat sich die einst bekannte Spielwarenmarke etwas besonderes Ausgedacht! So kündigte der deutsche Konzern aus Göblingen eine knallig gelbe “GT8 FLEXITY” mit zeitgemäßen Sounds an. Neben den bekannten Geräuschen wie dem Horn, Anfahr- und Bremsgeräusche, sollen auch Haltestellen- und Servicedurchsagen im Modell enthalten sein. Besonders Stolz ist der Geschäftsführer auf eine Lizenz für die Durchsage, die seit wenigen Tagen in Berliner Verkehrsmitteln zu hören ist. “Die Verhandlungen waren hart, aber es gehört halt einfach zu einer Berliner Straßenbahn dazu”, äußerte man sich im Interview uns gegenüber.
Es ist Aufbruchsstimmung in der Branche und so erhofft sich die Merlin GmbH mit diesem Coup ein großes Comeback in die deutschen Wohn- und Kinderzimmer.

Eines ist jedenfalls sicher, sollte es ihnen gelingen, so heißt es wohl bald in den Zimmern unseres Nachwuchses:
“Sehr geehrte Fahrgäste, bitte halten Sie Abstand und denken daran Mund und Nase zu bedecken. So können wir uns gegenseitig schützen. Vielen Dank! Dear Passengers, please keep distance and cover mouth and nose. Thank you!”

Und seien wir mal ehrlich, was gibt es besseres als abstruse Sicherheitswarnungen oder durchsagen von schlecht gelaunten Berliner Triebfahrzeugführern?